dbb magazin 3/2026

JUGEND Recht auf Teilzeit Pauschalurteile gehen an der Realität vorbei Die Junge Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) und die dbb jugend stellen sich klar gegen Überlegungen innerhalb der Union, das gesetzliche Recht auf Teilzeit zu beschneiden. Der Bundesvorsitzende der Jungen CDA, Janik Wiemann, im Gespräch mit der dbb jugend-Seite #staatklar. Herr Wiemann, wie kommentiert die Junge CDA den Vorschlag, das Recht auf Teilzeit einzuschränken? Nach dem Vorstoß haben sich viele Mitglieder bei mir gemeldet und meinten, das sei „unglaublich“ und „ginge gar nicht“. Vor allem der Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ ist negativ aufgestoßen. Das ist aus meiner Sicht eine sehr unglückliche Formulierung. Die Gründe für Teilzeitarbeit sind vielfältig, genau wie die Lebenssituationen der Menschen. Es gibt sehr legitime und nachvollziehbare Gründe. Politik ist gut beraten, Teilzeit nicht an den Pranger zu stellen. Der Wirtschaftsflügel wollte Ausnahmen zulassen. Folgen daraus nicht komplexe Einzelfallentscheidungen und Bürokratie? Das zeigt, dass der Vorschlag nicht zu Ende gedacht war. Deshalb bin ich froh, dass sich viele Politikerinnen und Politiker aus der Union dagegen positioniert haben. Zum Beispiel Dennis Radke, der Bundesvorsitzende der CDA. Er sagte, mit dem Vorschlag würde man das „Pferd von der falschen Seite aufzäumen“. Was wäre denn die richtige Seite und was spricht für Teilzeit? Für mich spielen die Sozialpartnerschaften mit den Gewerkschaften eine tragende Rolle. Die Politik kann grobe Richtlinien vorgeben, aber nachhaltige Entscheidungen, mit denen die Mehrheit zufrieden ist, erreichen wir nur mit dem Dialog zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Außerdem ist die Arbeitszeit nicht alles, was zählt, damit es der Wirtschaft gutgeht. Nach einer gewissen Zeit lässt die Produktivität nach, weil die Konzentration nachlässt – so geht es wahrscheinlich den meisten Menschen. Und es gibt auch Unternehmen, die sagen ganz bewusst: Wir wollen, dass unsere Beschäftigten in Teilzeit arbeiten, um flexibler auf Ausfälle reagieren zu können. Wenn ein Kollege krank wird, kann ein anderer Stunden aufstocken und die Lücke schließen. Ebenfalls ein Punkt, den ich unterstreichen möchte: Viele Menschen wollen mehr arbeiten, können es aber nicht, weil die Auftragsbücher es nicht hergeben. Auch das macht den Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ so problematisch. Die Vielfalt der Gründe ist enorm. Manche pflegen Angehörige, bei anderen steht die Gesundheit einer Vollzeitbeschäftigung entgegen. Besonders hervorheben möchte ich, dass gerade junge Leute sich weiterbilden möchten und nach einer Ausbildung oft noch ein Studium draufsatteln. Das – und lebenslanges Lernen generell – sollten wir als Gesellschaft unterstützen. Weiterhin liegt auf der Hand, dass es ohne ehrenamtliches Engagement, im Übrigen eine besondere Stärke unserer Gesellschaft, nicht geht. Ohne Ehrenamtliche wären zum Beispiel die Freiwillige Feuerwehr und das Technische Hilfswerk nicht handlungsfähig. Und das Vereinsleben bringt Menschen zusammen. Auch das braucht seine Zeit. Nicht zuletzt gilt natürlich, dass viele Mütter und Väter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten. Mit Äußerungen wie „Lifestyle-Teilzeit“ unterstützen wir keine Familien und kein Ehrenamt. Die Fragen stellte Christoph Dierking. _ dbb jugend fordert Topsharing „Arbeitnehmende sollen sich ganz grundsätzlich nicht dafür rechtfertigen müssen, warum sie in Teilzeit gehen“, sagt Matthäus Fandrejewski, Vorsitzender der dbb jugend. „Wir sollten eher darüber sprechen, wie wir Teilzeitbeschäftigte, die Care-Arbeit leisten, besser unterstützen. Es fehlen Kitaplätze und Betreuungsangebote für jüngere Schulkinder. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf lässt oft zu wünschen übrig. Das zwingt vor allem Frauen in Teilzeit, befördert von Fehlanreizen wie dem Ehegattensplitting.“ Die Realität zeigt: In der Regel sind Männer die Hauptverdiener. Wenn die Frau mehr verdient, verringert sich der finanzielle Vorteil. Damit zementiert das System aus Sicht der dbb jugend überkommene Rollenbilder. Die Folgen haben vor allem Frauen zu tragen, insbesondere im Falle einer Scheidung, beklagt Fandrejewski. Dazu gehörten ein höheres Risiko für Altersarmut, finanzielle Abhängigkeit und schlechtere Karriereoptionen. „Wir setzen uns für flexible Arbeitszeitmodelle ein, darunter das sogenannte Topsharing“ – ein Konzept, bei dem sich Beschäftigte Führungspositionen teilen, um Karriere und Familienleben besser unter einen Hut zu bringen. Job und Familie besser vereinbaren Model-Foto: Colourbox.de 32 INTERN dbb magazin | März 2026

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