FRAUEN Gleichstellung in der Personalvertretung Frauen für Betriebs- und Personalräte gewinnen Im Großteil der Betriebs- und Personalräte ist der Frauenanteil niedriger als in der Belegschaft. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Eigentlich sollen in Betriebs- und Personalräten repräsentative Verhältnisse herrschen. Für Betriebsräte gilt sogar, dass das Geschlecht, das in der Belegschaft in der Minderheit ist, mindestens denselben Anteil an Mitgliedern im Betriebsrat stellen muss. Konkret bedeutet das: In einem Betrieb mit 40 Prozent Frauenanteil muss auch der Frauenanteil im Betriebsrat mindestens 40 Prozent betragen. Leitende Angestellte werden dabei nicht einberechnet. Für Personalräte sind die Regelungen etwas schwammiger. Im Bundespersonalvertretungsgesetz heißt es lediglich: „Frauen und Männer sollen im Personalrat entsprechend dem Zahlenverhältnis in der Dienststelle vertreten sein.“ Was auf dem Papier für eine repräsentative Verteilung der Geschlechterrollen sorgen soll, führt in der Praxis trotzdem zu Ungleichheiten. So fand die Betriebsrätebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) 2021 heraus, dass in Betrieben mit einem Frauenanteil von unter 30 Prozent der Frauenanteil im Betriebsrat ebenfalls unter 30 Prozent liegt. Liegt aber der Männeranteil in der Belegschaft bei unter 30 Prozent, stellen Männer trotzdem mehr als 30 Prozent des Betriebsrates. Für die Personalräte kommt die Personalratsbefragung des WSI aus dem Jahr 2023 zum gleichen Ergebnis. Paradoxe Geschlechteraufteilung Noch gravierender fällt die Diskrepanz im Betriebsratsvorsitz aus: Bei einem Männerüberschuss im Betrieb sind im Schnitt 12,9 Prozent der Betriebsratsvorsitzenden Frauen. Nun wäre bei einem Betrieb mit Frauenüberschuss eine ähnliche Zahl für Männer im Betriebsratsvorsitz zu erwarten. Allerdings stellen Männer in Betrieben mit Frauenüberschuss im Durchschnitt 47,8 Prozent des Vorsitzes. Dennoch zeigt die Auswertung auch Solidarität: In Dienststellen mit sehr geringem Frauenanteil beteiligen sich überproportional viele Frauen in Betriebsrat und Personalrat. Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertetung und stellvertretende dbb-Bundesvorsitzende, kennt die Personalratsarbeit in- und auswendig: Seit 2017 ist sie stellvertretende Vorsitzende des Bezirkspersonalrats NRW und seit 2014 Vorsitzende der dbb-Grundsatzkommission Mitbestimmung. Für die unproportionale Verteilung sieht sie mehrere Gründe: „Wir erleben ein ähnliches Phänomen wie bei politischen Mandaten: Frauen zögern öfter und fragen sich, ob sie wirklich geeignet für das Amt sind, während Männer häufig einfach machen“, erklärt Kreutz gegenüber dem dbb magazin. Diese Situation könne schnell zu einer Art Teufelskreis führen: „Es braucht immer Vorbilder. Je weniger Frauen in den entscheidenden Positionen sitzen, desto weniger motiviert das andere Frauen, sich zu bewerben.“ Dabei sei Betriebs- und Personalräten die Mischung besonders wichtig. „Wir wissen aus der Praxis: Gemischte Teams sind die besten Teams“, betont Kreutz. „Das gilt für die verschiedenen Fachbereiche der Dienststelle wie für die Geschlechter. Dort, wo über die Arbeitsbedingungen der beschäftigten Frauen entschieden wird, müssen diese auch vertreten sein.“ Einmischen lohnt sich Sie kenne auch viele Fälle von motivierten Frauen, die sich im Betriebs- oder Personalrat engagieren wollen, dies aber aus logistischen Gründen nicht können. Der Grund: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit als Männer. Die Arbeit in Personalvertretungen darf aber nur während der Arbeitszeit liegen. „Betriebs- und Personalräte müssen deshalb darauf Rücksicht nehmen, dass ihre Sitzungen während der Arbeitszeit der Teilzeitbeschäftigten stattfinden“, forderte die dbb frauen-Chefin. „Darüber hinaus sollten sie lange Marathonsitzungen vermeiden. Und sie müssen hybride Kommunikationsformen schaffen, damit auch Beschäftigte, die von zu Hause aus arbeiten, sich einbringen können.“ Trotz der Herausforderungen, die die Arbeit in Betriebs- und Personalräten mit sich bringe, könne sie das Engagement jeder Frau ans Herz legen: „Die Arbeit erlaubt es, eigene Ideen einzubringen und sich für andere einzusetzen.“ Von der Erfahrung, die sie in der Personalvertretung sammeln, können Frauen auch jenseits des Arbeitsalltags profitieren: „Betriebs- und Personalräte bauen wichtige Netzwerke auf, die weit über die Amtszeit hinausgehen“, so die dbb-Vize. „In den Sitzungen des Personalrats, aber auch bei der Teilnahme am Monatsgespräch mit dem Dienststellenleiter, können Frauen Kompetenzen im Bereich Verhandlungs- und Diskussionsführung erwerben oder vertiefen.“ Kreutz möchte deshalb die unentschlossenen Frauen ermutigen: „Mischt euch ein. Engagiert euch. Arbeitsbedingungen in den Dienststellen verbessern sich nur dann, wenn sich jemand dafür einsetzt. Und das können nicht immer nur die anderen sein.“ dsc Model-Foto: Colourbox.de INTERN 31 dbb magazin | März 2026
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==