zu Helios zurückgekehrt sei, habe sich daraufhin vermehrt im Betriebsrat eingebracht. Die Erkenntnis: Auch anderswo gibt es Probleme. Trotzdem sieht Volmer den anstehenden Betriebsratswahlen positiv entgegen. „Obwohl viele Kolleginnen und Kollegen altersbedingt aus dem Gremium ausscheiden, haben sich mit 32 Bewerberinnen und Bewerbern genügend Interessenten für unser 15-köpfiges Gremium gefunden.“ Ein Grund dafür könne in den Umstrukturierungen der vergangenen Jahre liegen, im Zuge derer besonders die Verwaltungsbeschäftigten erkannt hätten, dass sie als Betriebsrat nicht gekündigt werden können. Kommunikation ist auch im Klinikbereich alles: „Das Know-how ist da, der Betriebsrat ist technisch gut ausgerüstet und die Kommunikation vor Ort läuft“, konstatiert Volmer. „Allerdings auf verschiedenen digitalen und analogen Ebenen. Es gibt PC-Stationen, auf die Beschäftigte Zugriff haben. Laufen dort aber auch Klinikprogramme, lassen sich nicht mal schnell die Betriebsratsmails checken. Theoretisch könnten wir alle Informationen per Mail versenden. In der Praxis drucken wir aber immer noch Infos aus, um sie zu verteilen.“ Beim Informationsfluss zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat ruckele es schon mehr. „Während Neuerungen durch den Konzern gerne schnell durchgedrückt werden, landet so manches Betriebsratsanliegen auf der langen Bank, gefolgt von zähen Verhandlungen.“ Wirklich ausgebremst würde die Betriebsratsarbeit aber nicht, betont Volmer. Wie in vielen anderen Bereichen ist KI auch im Gesundheitswesen dabei, die Arbeit zu revolutionieren, zum Beispiel in der Diagnostik. „Die Ärzte und Ärztinnen nutzen eine KI, die ihnen vorschlägt, welche Untersuchungen gemacht werden können. Die Entscheidungen trifft aber letztlich der Arzt; die KI unterstützt nur. Auch in vielen anderen Bereichen hat KI bereits Einzug gehalten. Beim Betriebsrat allerdings noch nicht.“ So ist André Volmers Wunsch für die Zukunft auch eher analoger Natur: „Ich möchte, dass der Arbeitgeber mehr auf die Informationen und Bedenken des Betriebsrates eingeht und uns nicht für Pessimisten hält, die alles Neue ablehnen. Wir machen uns Gedanken, welche Auswirkungen Neuerungen auf die Belegschaft haben und stellen dabei sicher nicht alles negativ dar.“ Zoll: Paketfluten beherrschen „Leider stellen wir fest, dass die Wahlbeteiligung in der Zollverwaltung von Wahl zu Wahl sinkt“, sagt Florian Preißner (BDZ), Personalratsvorsitzender des Hauptzollamts Frankfurt am Main. Das sei ärgerlich – zum einen, weil eine hohe Wahlbeteiligung die zentrale Voraussetzung dafür ist, dem Arbeitgeber entschlossen entgegenzutreten. Und zum anderen, weil die Probleme nicht weniger werden, im Gegenteil: „Die Belastung beim Zoll ist ausgesprochen hoch; immer mehr Aufgaben und die Schichtarbeit zehren an den Beschäftigten. Gerade die Arbeitszeiten sind für viele Kolleginnen und Kollegen ein großes Thema. Sie erwarten mehr Flexibilisierung und ein Lebensarbeitszeitkonto.“ Erfreulich sei, dass die Beschäftigten offener mit Überlastung und Überforderung umgehen. Mit dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement habe der Arbeitgeber ein gutes Instrument geschaffen, mit dem sich Beschäftigte nach krankheitsbedingter Abwesenheit – oft auch eine Folge von Stress – langsam und nachhaltig wieder in den Berufsalltag integrieren lassen können. „Es wird mittlerweile deutlich häufiger in Anspruch genommen – und das auch eigeninitiativ auf Antrag. Das ist gut, steht aber eben auch sinnbildlich für die Überlastung, mit der unsere Kolleginnen und Kollegen konfrontiert sind.“ Problematisch ist aus Sicht des Personalrates insbesondere die Arbeitsdichte, die vor allem mit den Paketsendungen aus Fernost zusammenhängt. Kontrollen können nur noch im Promillebereich stattfinden. Im Jahr 2024 verzeichnete das Hauptzollamt am Frankfurter Flughafen 200 Millionen Warensendungen. 2025 waren es fast doppelt so viele, also 400 Millionen allein im E-Commerce. „Das Personal hingegen hat sich keineswegs verdoppelt, im Gegenteil, der Personalfehlbestand liegt an der Dienststelle bei 19 Prozent – weit über 200 Dienstposten sind unbesetzt“, beklagt Preißner. Was tun, um der wachsenden Arbeitsmenge in Frachtbereichen, Finanzkontrolle Schwarzarbeit und Backoffice Herr zu werden? Ein wichtiger Hebel zur Entlastung ist – wie in so vielen Fällen – die Digitalisierung. Das ITZBund ist auch für den Zoll zuständig. Unter anderem hat die Behörde bereits ein eigenes, datenschutzkonformes System entwickelt, das mit künstlicher Intelligenz arbeitet – das sogenannte ZollGPT. Zollbeamtinnen und -beamte können beispielsweise Übersetzungen oder Zusammenfassungen von Dokumenten erstellen und sich durch eine Wissensdatenbank unterstützen lassen. „Im Idealfall läuft es mit der Unterstützung durch KI schneller und genauer“, unterstreicht Preißner. „Darauf müssen wir hinarbeiten. Deshalb ist es ein Armutszeugnis, dass die Politik es nicht schafft, das ITZBund sauber aufzustellen. Hier fehlt an allen Ecken und Enden Personal – bereits im dritten Jahr in Folge kein Personalzuwachs, so kommen wir nicht voran. Aber das müssen wir!“ Grundsätzlich nehme er den Kontakt mit der Arbeitgeberseite als professionell und konstruktiv wahr, berichtet der Personalrat. Doch je höher die Ebene, desto formeller werde der Umgang. Was ihn ärgert: „Wenn Personalräte einen Mitbestimmungsantrag erhalten, gilt eine Frist von zehn Arbeitstagen. Stellt aber der Personalrat einen Initiativantrag, hat die Dienststellenleitung sechs Wochen Zeit für eine Antwort. Das muss sich ändern, damit wir eine echte, vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe erreichen.“ ada, br, cdi, dsc Florian Preißner © Daniela Mortara 26 INTERN dbb magazin | März 2026
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