eben doch machbar sei. Natürlich könne der Personalrat nicht über alle seine Erfolge sprechen, weil die persönliche Betreuung Einzelner vertraulich sei. „Aber der Flurfunk tut das Seine, dass das herumgetragen wird.“ Für veraltet hält Ruth Otten dagegen die Wahlordnung für die im Bereich des Bundesministeriums des Innern 2028 stattfindenden Personalratswahlen. Zum Beispiel bleiben die „extrem gestiegenen Postlaufzeiten“ blieben unberücksichtigt. Viele sonst gültige Briefwahlstimmen hätten aus diesem Grund bei den zurückliegenden Wahlen nicht berücksichtigt werden können. „Wir brauchen ganz dringend eine neue und moderne Wahlordnung“, fordert sie. Auch Kandidaten zu finden, werde schwieriger. Es gebe immer wieder faktische Schwierigkeiten bei der beruflichen Entwicklung von freigestellten Personalratsmitgliedern, auch wenn die Dienststelle sich hier spürbar um korrektes Handeln bemühe, schildert Otten ihre Erfahrungen. Das gelte auch für teilweise freigestellte PR-Mitglieder: „Man wird zerrieben zwischen den Stühlen, auf denen man sitzt“, das schrecke besonders Jüngere ab. Otten und die anderen Personalratsmitglieder beraten deshalb gezielt zur Personalentwicklung. Auch die Kommunikation mit den Dienststellen sei verbesserungsbedürftig. Gerade schwierige Personalentscheidungen würden oft so spät mitgeteilt, dass dem Personalrat kaum Reaktionszeit bliebe, erzählt sie. „Es wird nicht erkannt, dass man sich Arbeit spart, wenn man früh mit uns spricht“, bemängelt sie. Die Kommunikation mit den Beschäftigten laufe, da der Örtliche Personalrat ihrer Dienststelle circa 15 über das gesamte Bundesgebiet verteilte Dienstsitze in zwölf Städten betreut, oft über Videocalls statt fixer Sprechstunden. Das erhöhe zwar die Beratungsgeschwindigkeit, könne aber keine persönliche Nähe ersetzen. Auch Personalversammlungen fänden teilweise online statt. „Das hat deren Reichweite und damit auch unsere Reichweite als Personalrat erhöht.“ Trotzdem sollen sie künftig durch Versammlungen vor Ort ergänzt werden. Die Einführung von KI in den Dienststellen ihrer Behörde sei momentan noch auf wenige Einsatz- beziehungsweise Erprobungsfelder begrenzt. Zum Beispiel soll die Beihilfebearbeitung, unterstützt von einem lernenden Tool, schneller werden. Neben den einzelnen Behörden benötigt aber auch das zuständige Informationstechnikzentrum (ITZ) Bund „personelle und finanzielle Spielräume, um das zu entwickeln, was für die gesamte Bundesverwaltung erforderlich ist“, fordert die Kölnerin. Für die Zukunft wünscht sie sich „Rahmenbedingungen für die Kolleginnen und Kollegen, mit denen sie ihre Arbeit gut und gerne machen können, statt sich mit Dingen herumplagen zu müssen, die kein Mensch braucht.“ Kliniken: wirtschaftlichem Druck begegnen André Volmer (komba gewerkschaft) ist seit 2003 im Betriebsrat des Helios Klinikums Niederberg in Velbert, war 20 Jahre teilfreigestellt und ist seit sechs Jahren komplett freigestellt. Vorsitzender des Betriebsrates, der sich um 1 100 Beschäftigte vor Ort kümmert, ist er seit 15 Jahren. Als Mitglied des Konzernbetriebsrates teilt er sogar Verantwortung für rund 76 000 Mitarbeitende der Helios Gesellschaften. Er tut dies in einem Arbeitsumfeld, das sich beinahe täglich verändert, zum Beispiel durch die Krankenhausreform. Und er spürt in seiner Arbeit deutlich, dass Helios ein Wirtschaftsunternehmen ist: „Deshalb lohnt sich der Einsatz für jede einzelne Mitarbeiterin und jeden einzelnen Mitarbeiter. Wenn die Unternehmensleitung zum Beispiel verlangt, dass Pflegekräfte auch andere Aufgaben wie Reinigungsarbeiten übernehmen sollen, hätten die Betroffenen ohne Betriebsrat kaum eine Möglichkeit zur Gegenwehr. Wir nehmen dann Einfluss auf die Konzernspitze, damit sich die Pflegekräfte wieder aufs Pflegen konzentrieren können.“ Im Klinikbetrieb ist die physische und psychische Belastung der Beschäftigten oft besonders hoch, zum Beispiel in der Notaufnahme, wo Gewalt gegen Kolleginnen und Kollegen immer öfter zum Thema wird. „Wenn sich dann auch noch der Fachkräftemangel bemerkbar macht, weil der Markt leer gefegt ist, bleibt das nicht ohne Folgen für den Krankenstand.“ Deswegen sei das Betriebliche Eingliederungsmanagement auch bei Helios wichtig, „was zum Glück Konsens zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat ist“. Die relativ geringe Wahlbeteiligung bei der jüngsten Betriebsratswahl von rund 30 Prozent führt Volmer darauf zurück, dass es den Beschäftigten einerseits relativ gut geht und auf dem Gesundheitsmarkt andererseits eine hohe Fluktuation herrscht: „Wem es nicht gut geht im Job, der kündigt sofort und findet ebenso schnell einen neuen Job in einer anderen Klinik.“ So mancher, der André Volmer Ruth Otten © Privat (3) INTERN 25 dbb magazin | März 2026
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