dbb magazin 3/2026

die Nachrichten checken.“ Weiterhin sei es auch wichtig, seelische Resilienz aufzubauen – zum Beispiel durch wohltuende soziale Kontakte, Bewegung und Zeit in der Natur. Stressabbau in der Natur Es gibt viele Strategien, mit denen die Menschen in Deutschland Stress abbauen: 83 Prozent der Befragten des TK-Stressreports gaben an, spazieren zu gehen oder Zeit in der Natur zu verbringen, um Stress abzubauen. 78 Prozent widmen sich ihrem Hobby. Ebenso viele treffen sich mit Familie oder Freundinnen und Freunden, und 73 Prozent hören oder machen Musik. 67 Prozent kochen selbst oder gehen essen, um Stress abzubauen. Teilweise zeigen sich deutliche Unterschiede bei den Geschlechtern: Männer trinken im Vergleich zu Frauen eher ein Bier oder ein Glas Wein, um sich zu entspannen (36 Prozent gegenüber 22 Prozent) oder zocken Videospiele (33 Prozent gegenüber 11 Prozent). Frauen gehen eher shoppen (37 Prozent gegen 25 Prozent) und machen Yoga oder autogenes Training zum Stressabbau (28 Prozent gegen 11 Prozent). Parallel zur TK haben sich auch Forschende der Universität Zürich und der britischen Loughborough University mit den Stressfaktoren des modernen Lebens beschäftigt. Ihre Ergebnisse wurden im Fachmagazin „Biological Reviews“ veröffentlicht. Colin Shaw von der Uni Zürich sagt: „In unserem Urzustand waren wir bestens an akuten Stress angepasst, um Raubtieren zu entkommen oder uns ihnen zu stellen. Der Löwe tauchte gelegentlich auf und man musste bereit sein, sich zu verteidigen oder zu fliehen.“ Allerdings sei das Raubtier dann aber auch wieder verschwunden; die Extremsituation habe das Leben gesichert und eine lange Erholungsphase erfordert. Heute reagiere unser Körper, als wären alle unsere Stressfaktoren Löwen. „Ob es sich um ein schwieriges Gespräch mit dem Partner oder dem Chef handelt oder um Verkehrslärm – unser Stressreaktionssystem ist im Prinzip dasselbe, als stünden wir einem Löwen nach dem anderen gegenüber. Das betrifft auch Stress im Job wie überquellende Mailpostfächer und Termindruck. Die Folge ist eine extrem starke Reaktion des Nervensystems, die jedoch nicht wieder abklingt.“ Letztlich seien unsere Stressreaktionen Ausdruck einer biologischen Anpassung. Da diese aber sehr langsam verläuft, empfiehlt auch Shaw die bewusste Interaktion mit der Natur als wertvollen Gesundheitsfaktor. Zwar sieht auch der TK-Stressreport in den belastenden Faktoren der täglichen Arbeit einen wesentlichen Auslöser von Stress, geht dabei aber nicht dezidiert auf den öffentlichen Dienst ein. Anders der im April 2025 erschienene DAK-Psychreport, der die Krankschreibungen von rund 2,42 Millionen Erwerbstätigen aus dem Jahr 2024 analysiert. Ein Ergebnis der durch das Berliner IGES Institut ausgewerteten Erhebung: Depressionen haben im Jahr 2024 50 Prozent mehr Fehltage verursacht als 2023. Während sich beim Krankenstand in Deutschland insgesamt eine leichte Entlastung abzeichnet, nimmt der Arbeitsausfall aufgrund psychischer Erkrankungen weiter zu. Bezogen auf 100 Beschäftigte führten psychische Diagnosen zu 342 Fehltagen, nach 323 Tagen im Vorjahr. Die häufigste Ursache waren auch 2024 die Depressionen. Der durch sie bedingte Arbeitsausfall stieg auf 183 Fehltage je 100 Beschäftigte an, 2023 waren es noch 122 Tage. Wie der aktuelle Psychreport zeigt, sind Beschäftigte in Kitas und in der Altenpflege weiterhin besonders belastet. Sie hatten auch 2024 überdurchschnittlich viele psychisch bedingte Fehltage. „Die hohe Zahl psychischer Erkrankungen ist für die betroffenen Beschäftigten und ihre Arbeitgeber oft mit langen Fehlzeiten und einer Stigmatisierung verbunden“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „Wir dürfen die Augen nicht länger verschließen, denn psychische Gesundheit ist ein zentraler Erfolgsfaktor für eine resiliente Gesellschaft und einen starken Wirtschaftsstandort Deutschland. Wir brauchen eine verstärkte Aufklärung über die Ursachen und tabulose Informationen zu Depressionen und Angststörungen sowie unterstützende Angebote zur Stärkung der mentalen Gesundheit.“ Öffentliche Verwaltung stark betroffen Von dem Anstieg sind alle Altersgruppen betroffen. Bei den Jüngeren gehen die Zahlen bereits seit einigen Jahren hoch, bei den älteren Altersgruppen gab es 2024 hingegen einen sprunghaften Anstieg: So kletterten die Fehlzeiten wegen Depressionen beispielsweise bei den über 60-Jährigen von 169 auf 249 Tage je 100 Beschäftigte. Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen waren 2024 der zweithäufigste Grund für eine entsprechende Krankschreibung. Hier gab es jedoch einen Rückgang um rund 32 Prozent. Die Dauer einer durchschnittlichen Krankschreibung wegen einer psychischen Erkrankung lag 2024 mit knapp 33 Tagen nur minimal über dem Vorjahresniveau. Das Aufkommen langwieriger Krankschreibungen von 29 bis 42 Tagen ist um 14 Prozent gestiegen. Es gab zwar auch einen Zuwachs bei den sehr kurzen Krankschreibungen von bis zu drei Tagen, aber diese Fälle haben mit 9 Prozent deutlich weniger zugenommen. Interessant ist dabei die Verteilung der Krankheitstage über verschiedene Berufsgruppen: Überdurchschnittlich betroffen waren Beschäftigte in der Kinderbetreuung. Auf 100 DAK-versicherte Kita-Beschäftigte entfielen 586 Fehltage durch psychische Erkrankungen, nach 534 Tagen im Vorjahr. An zweiter Stelle standen Berufstätige in Pflegeberufen, wo auf 100 Beschäftigte 573 derartige Fehltage kamen. Betrachtet man die Fehltage nach Wirtschaftsgruppen, liegt das Gesundheitswesen mit 476 Fehltagen vorn, gefolgt von der öffentlichen Verwaltung mit 402 Fehltagen und dem Bereich Bildung, Kultur und Medien mit 365 Fehltagen pro 100 DAK-Versicherten. Im Gesundheitswesen gab es im Jahr 2024 bezogen auf alle Diagnosen 17 Prozent mehr Fehltage im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt und 30 Prozent mehr bezogen auf psychische Erkrankungen. In der öffentlichen Verwaltung lag dieses Verhältnis bei 3 zu 17 Prozent. Angesichts der neuen Zahlen betonen Kassenexperten die Notwendigkeit, die mentale Gesundheit der Beschäftigten im betrieblichen Umfeld mitzudenken. Um arbeitsbedingte Belastungen zu reduzieren, sei es wichtig, die Strukturen und Prozesse im Unternehmen genau zu betrachten und die Mitarbeitenden an Veränderungsprozessen zu beteiligen. Die DAK-Gesundheit empfiehlt deshalb ein systematisches, präventives Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM), bei dem sich alle Beteiligten auf einen vertrauensvollen Umgang mit Be- und Überlastungen in ihrem Betrieb verlassen können. br FOKUS 21 dbb magazin | März 2026

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