dbb magazin 3/2026

GESUNDHEIT Stress und psychische Erkrankungen Wie man den Löwen entkommt Stress ist ein Urinstinkt, der die Alarmbereitschaft der frühen Menschen erhöhte, etwa um die Konfrontation mit einem hungrigen Löwen zu überleben. Für modernen Dauerstress ist der Mensch nicht gemacht, die biologische Anpassung dauert schlicht zu lange. Die Techniker Krankenkasse und die DAK-Gesundheit haben sich in aktuellen Erhebungen mit der seelischen Gesundheit ihrer Mitglieder beschäftigt. Beide kommen zu alarmierenden Ergebnissen. Auch im öffentlichen Dienst ist der Stresslevel demnach gestiegen. Zwei Drittel der Menschen in Deutschland fühlen sich in ihrem Alltag oder Berufsleben häufig oder manchmal gestresst. Nur acht Prozent empfinden gar keinen Stress, während 26 Prozent angaben, selten Stress zu haben. Das ist ein Ergebnis des TK-Stressreports 2025 der Techniker Krankenkasse (TK), der Ende November in Berlin vorgestellt wurde. Der vierte Report dieser Art attestiert ein zunehmendes Stressempfinden seit der ersten Erhebung im Jahr 2013. Damals hatte der Anteil derer, die sich häufig oder manchmal gestresst fühlen, noch bei 57 Prozent gelegen. „Bis zu einem gewissen Grad gehört Stress zum Leben dazu“, erläutert TK-Chef Dr. Jens Baas. „Chronischer Stress jedoch erhöht das Risiko für bestimmte psychische und physische Krankheiten, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Probleme, Rückenschmerzen oder Depressionen.“ Die Ergebnisse der Befragung weisen in dieselbe Richtung, auch wenn sich kein ursächlicher Zusammenhang ableiten lässt. Menschen, die oft gestresst sind, haben deutlich häufiger gesundheitliche Probleme als jene, die sich selten gestresst fühlen. Sie leiden etwa signifikant häufiger unter Muskelverspannungen und Rückenschmerzen (62 Prozent gegen 50 Prozent), Erschöpfung (61 gegen 24 Prozent), innerer Unruhe (53 gegen 24 Prozent), Schlafstörungen (47 gegen 34 Prozent) sowie Gereiztheit (42 gegen 13 Prozent). Chronischer Stress geht auf die Gesundheit Stressfaktor Nummer eins ist laut Report der hohe Anspruch an sich selbst. Das gaben 61 Prozent der Befragten an, gefolgt von Schule, Studium oder Beruf (58 Prozent). An dritter Stelle steht Stress durch politische und gesellschaftliche Probleme (53 Prozent). Hier sind es vor allem Kriege und internationale Konflikte, die die Menschen belasten. Außerdem geben 62 Prozent der gestressten Befragten an, dass sie sich stark oder sehr stark davon belastet fühlen. Es folgen die Angst vor politischer Polarisierung (59 Prozent), vor Gefährdung der inneren Sicherheit durch Kriminalität, Terrorismus und Extremismus (52 Prozent), vor Wohlstandsverlust (47 Prozent) sowie vor den Auswirkungen des Klimawandels (44 Prozent). „Die Welt befindet sich gefühlt im Dauerkrisenmodus. Wer Medien konsumiert, wird mit einer Flut aus Negativschlagzeilen konfrontiert. Neben den normalen Belastungen durch Arbeit und die Herausforderungen des Alltags empfinden viele Menschen eine zunehmende Bedrohung durch Kriege, Klimawandel und möglichen Wohlstandsverlust“, so Baas, der empfiehlt, zu lernen, langfristig damit umzugehen, denn diese äußeren Faktoren werden nicht einfach verschwinden. Prof. Dr. Judith Mangelsdorf, Professorin für Positive Psychologie an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport (DHGS) in Berlin, gibt Tipps, was Menschen unternehmen können, damit Stress nicht lebensbestimmend wird und dauerhaft krank macht. „Wir sind evolutionspsychologisch nicht dafür gemacht, uns den ganzen Tag mit den Krisen des gesamten Planeten auseinanderzusetzen“, erklärt die Psychologin. „Das heißt, wir müssen wieder lernen, gezielt zu steuern, wann und wie oft wir uns über die weltpolitische Lage informieren, um uns nicht mit ungebremstem Nachrichtenkonsum zu überfordern. Zum Beispiel, indem wir uns digitale Detox-Zeiten nehmen und nicht im Fünfminutentakt © Unsplash.com/Getty Images 20 FOKUS dbb magazin | März 2026

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