oder Freunden in andere Stadtbezirke geflüchtet –, verteilt Christiane Theobald heißes Wasser an ihre Nachbarn. „Wir haben als Hausgemeinschaft in Mänteln zusammengesessen, Kuchen gegessen und viel gelacht“, sagt sie. „Der große Blackout hat gezeigt, wie verletzlich unser Alltag ist; aber auch, wie wichtig ein gutes Miteinander im Haus sein kann.“ Als nach zwei Tagen der Internetempfang wiederhergestellt ist, gründen sie eine Whatsapp-Gruppe, die auch in Zukunft weiterexistieren wird. Die Nachbarn können nun mitteilen, ob sie weggefahren sind, aber noch ein Paket erwarten, ob jemand Blumen gießt oder ein Ei leihen kann. Angebote von „Wildfremden“ „Ich habe den Glauben an die Menschheit wiedererlangt“, sagt Constanze Schuhricht, die in Berlin-Schönow vom Stromausfall betroffen war. „Eine wildfremde Frau hat mir über Instagram eine Unterkunft angeboten.“ Mit ihren zwei Hunden und zwei Katzen zieht sie vorübergehend zu ihrem Partner und muss das Gästezimmer nicht in Anspruch nehmen. „Aber dass es so uneigennützige Menschen gibt, hat mir Hoffnung gemacht.“ Am wichtigsten ist für sie allerdings, dass ihr Gecko, der eine Wärmelampe braucht, versorgt wird. Selbst dafür findet sich eine Lösung: Bis dahin nur flüchtige Bekannte melden sich und bringen einen Akku vorbei. Auch aus Brandenburg kommt Unterstützung, denn das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut für Digital Engineering liegt ganz in der Nähe der einstigen Westberliner Exklaven Steinstücken und Kohlhasenbrück. Am Montag öffnet das Institut sein Hauptgebäude, damit sich Betroffene aufwärmen oder online arbeiten können. Es kommen circa 30 Personen, die den Strom, Getränkeausschank und sogar Duschen nutzen. Studierende und Mitarbeitende laufen durch die Nachbarschaft und verteilen Flyer mit der Einladung. „Wir haben das sehr gerne gemacht und sehen es als eine Selbstverständlichkeit an“, sagt der Dekan und HPI-Geschäftsführer Prof. Dr. Tobias Friedrich. „Wir wollen mit unserem Institut durch Wissenschaft, Forschung und Lehre einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Aus der Belegschaft kam rasch der Impuls, dass wir in einer solchen Situation auch unsere direkte Nachbarschaft unterstützen wollen, wenn sie Hilfe benötigt.“ Praktische Hilfe für Schwerhörige Claudia Schulze aus Berlin-Zehlendorf teilt eine sehr persönliche Erfahrung: Als Hörgeräteträgerin muss sie die Akkus der kleinen Hörhilfen wie ein Handy alle 24 Stunden aufladen. „Ich war sehr erfreut, dass bei Edeka ein Zettel hing, der explizit dazu einlud. Man bekam auch Kaffee oder Tee angeboten.“ Sie berichtet, dass Hilfswerke am Mexikoplatz. © Christiane Theobald (4) FOKUS 15 dbb magazin | März 2026
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