BRENNPUNKT Stromausfall Wie Menschen in der Krise zusammenrücken Offizielle Hilfsdienste leisteten während des Blackouts Anfang Januar im Südwesten Berlins wichtige Schadensbegrenzung, doch die Hilfe in der Nachbarschaft zählte für viele Betroffene am meisten. In der 13. Stunde gab es eine Situation, wie man sie bisher nur aus Katastrophenfilmen kannte: In abgekühlten Wohnungen sitzen Familien und Senioren, Alleinstehende und Menschen mit ihren Haustieren im Dunkeln. Bei einigen sind seit 6.10 Uhr, als der Stromausfall beginnt, die elektrischen Fensterrollläden nicht mehr hochgefahren und die Autos in der Garage eingeschlossen. Am Sonnabend, dem 3. Januar 2026, haben Linksextremisten in Berlin einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke verübt. Draußen liegt Schnee und es wird glatt. In den nachfolgenden Tagen wird die Temperatur bis auf −11 Grad fallen. Rund 45 000 Haushalte, über 100 000 Menschen, sind ohne Elektrizität. „Zuerst dachte ich, der Lichtschalter ist kaputt“, sagt Christiane Theobald, eine Betroffene am Mexikoplatz. Aber auch nachdem sie die Sicherungen im Haus überprüft und die Nachbarn befragt hat, lässt sich keine Fehlerquelle finden. Erst der Blick aus dem Fenster zeigt, dass das ganze Viertel im Dunkeln liegt. „Nur unsere Straße schien hell erleuchtet – weil sie noch alte Gaslaternen hat.“ Derweil geben die Handys keine Information her, denn auch die Mobilfunkmasten sind ohne Strom lahmgelegt. Die Warn-App zeigt zwar einen Link, aber der läuft ins digitale Nirwana. Whatsapp-Gruppe mit den Nachbarn Christiane Theobald, noch vor einiger Zeit kommissarische Intendantin des Staatsballetts Berlin, ist vergleichsweise gut vorbereitet. Sie hat ein DAB+-Radio und schaltet das akkubetriebene Gerät zur vollen Stunde für Nachrichten ein; bis 18.30 Uhr seien alle wieder am Netz. Ihr Mann holt den Camping-Gasherd und einen voll geladenen Notstromakku. „Damit haben wir fröhlich das Zimmer mit der Klimaanlage geheizt und die Kühlschränke weiterlaufen lassen“, erzählt sie. Aber der Strom kommt nicht zurück. Nun heißt es, die Reparaturen würden bis Donnerstagnachmittag dauern. Während die Leute warm eingepackt bei Kerzenlicht der ersten kalten Nacht entgegensehen – manche sind bereits zu Familie 14 FOKUS dbb magazin | März 2026
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