dbb magazin 3/2026

INTERVIEW Sabine Lackner, Präsidentin des Technischen Hilfswerks (THW) Hybride Angriffe zielen auch auf das Vertrauen in Staat und Gesellschaft Sabotage und hybride Angriffe können uns jederzeit treffen. Welche Bedrohungslage treibt Sie aktuell am stärksten um und was heißt das für die Prioritäten im Bevölkerungsschutz? Was mich aktuell besonders umtreibt, ist die Kombination aus Desinformation, gezielter Verunsicherung und der systematischen Schwächung von Institutionen sowie unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts. Hybride Angriffe zielen nämlich nicht nur auf technische Infrastrukturen, sondern ganz bewusst auch auf das Vertrauen in Staat und Gesellschaft. Besonders kritisch ist die Kombination aus solchen hybriden Angriffen und möglichen Kaskadeneffekten auf kritische Infrastrukturen. Wenn Energieversorgung, Kommunikation, Wasser oder IT-Systeme ausfallen, verstärken sich diese Ausfälle gegenseitig. Ein Stromausfall beeinträchtigt Kommunikationsnetze, diese wiederum die Koordination von Einsatzkräften, so entsteht sehr schnell eine dynamische Lage. Entscheidend ist deshalb unsere Fähigkeit, Angriffe frühzeitig als solche zu erkennen und ihre Auswirkungen realistisch einschätzen zu können. Für den Zivilschutz bedeutet das einen klaren Fokus auf Vorsorge, Redundanzen und Durchhaltefähigkeit – auch im THW. Gleichzeitig brauchen wir eine stärkere Verzahnung von Sicherheitsbehörden, Bevölkerungsschutz und Betreibern kritischer Infrastrukturen sowie eine aktive Einbindung der Bevölkerung. Stichwort Handlungsfähigkeit: Im Raum steht, Standards, Zuständigkeiten und Beschaffung an neue Realitäten anzupassen. Wo sitzt aus Ihrer Sicht die größte Stellschraube und welche Reform würden Sie zuerst anstoßen? Aus meiner Sicht liegt die größte Stellschraube bei klar geregelten Zuständigkeiten, verbindlichen Führungsstrukturen und eindeutigen Verantwortlichkeiten – insbesondere bei länderübergreifenden Lagen. Die Strukturen zwischen Bund, Ländern, Kommunen und Betreibern kritischer Infrastrukturen sollten weiter vereinheitlicht und unnötige Komplexität abgebaut werden. Dabei sind gemeinsame Lagezentren und ein geteilter Lageüberblick zentral. Darüber hinaus müssen wir Prozesse insgesamt resilienter auslegen und die Bevölkerung von Beginn an mitdenken. Ein Positivbeispiel, wie man Bund‑Länder‑übergreifende Zusammenarbeit organisieren kann, ist das Maritime Sicherheitszentrum des Bundes und der Küstenländer in Cuxhaven, das alle Fähigkeiten, Ressourcen und Zuständigkeiten behördenübergreifend mit einheitlichen Entscheidungsstrukturen bündelt. Dafür ist keine Verfassungsänderung notwendig gewesen.­ „Die Strukturen zwischen Bund, Ländern, Kommunen und Betreibern kritischer Infrastrukturen sollten weiter vereinheitlicht und unnötige Komplexität abgebaut werden.“ © Jan Holste Sabine Lackner 12 FOKUS dbb magazin | März 2026

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