dbb magazin 1-2/2026

DBB JAHRESTAGUNG 2026 zu können. „Diesen ehrenamtlichen Einsatz müssen wir würdigen und fördern. Und vor allem müssen wir die Ehrenamtlichen unterstützen, sodass sie im Ernstfall handlungsfähig sind.“ Nicht zuletzt müsse allen Menschen klar sein: „In der Not klingelt niemand an der Tür und fragt, wie er gerade helfen kann. Das passiert nur bei Hilfsbedürftigen und vulnerablen Gruppen. Deshalb müssen alle Vorkehrungen treffen!“ Diskussion: Kommunikation verbessern „Natürlich brauchen wir auch Investitionen“, sagte dbb-Vize Andreas Hemsing in der anschließenden Expertenrunde mit Blick auf den Katastrophenschutz. Resilienz zeichne sich aber auch dadurch aus, wie nicht nur während, sondern auch im Anschluss an Krisenlagen kommuniziert und Vertrauen gestärkt beziehungsweise zurückgewonnen werde. „Wir sollten mehr über die grandiose Arbeit von Hunderten Helferinnen und Helfern sprechen statt über eine einzige Tennisstunde.“ Ralph Tiesler, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), beleuchtete das Thema Krisenresilienz ganz praktisch: „Es geht nicht um konkrete Vorbereitung für den Kriegsfall, sondern um Gefahrenanalyse. Die Resilienz einer Gesellschaft beginnt mit der Vorbereitung auf den Notfall, etwa einen Stromausfall.“ Dabei trage jeder zunächst Verantwortung für sich selbst. Das BBK stelle Ratgeber zur Verfügung, was Bürgerinnen und Bürger an Vorsorge für den Notfall leisten können. „Damit arbeiten wir auch gegen Ängste und das Gefühl, nicht zu wissen, was zu tun ist.“ Weiter gehe es darum, das Vertrauen in den Staat und seine Leistungsfähigkeit zu erneuern. „Die Prozesse und Strukturen des Zusammenwirkens müssen stimmen. Wir haben kein Ressourcenproblem, sondern ein Koordinationsproblem, besonders bei großflächigeren Gefahren.“ Neben der Neujustierung der übergreifenden Bevölkerungsschutzstrukturen müsse dazu auch die Bevölkerung wieder enger zusammenstehen. Individuelle Vorsorge werde damit zur wichtigen Komponente gesamtgesellschaftlicher Resilienz. Für Michael Ebling ist Zivilschutz nicht nur ein staatlicher Auftrag, sondern ebenso Dienst an der Bevölkerung. Dezentrale Strukturen in kommunaler Hand tragen laut Ebling zur Resilienz bei, da Hilfe im Ernstfall nicht zentral organisiert werden muss, sondern auf kurzen Wegen direkt bei den Menschen vor Ort ankommt. Neben schneller Kommunikation komme es dabei auf eine vernünftige Verteilung von Aufgaben und Ressourcen an: „Es wäre gut, so etwas zu haben wie eine ständige gemeinsame Koordinierungsstelle, die unabhängig von konkreten Krisenfällen Szenarien durchspielt und die in derselben Sprache kommuniziert. Wir müssen entsprechende Instanzen schaffen, die es ermöglichen, uns noch besser auf die Krisenbewältigung konzentrieren zu können.“ Grundsätzlich müsse Notfallbewusstsein tiefer in das „Mindset“ der Bürgerinnen und Bürger integriert werden. Um mögliche Gefahren zu wissen, entsprechend vorzubeugen und im Ernstfall richtig für sich und andere zu handeln, verhindere Panik, so Ebling. Sabine Lackner, Präsidentin der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW), empfahl, „einfach für die ersten Tage etwas parat zu haben. Denn es muss kein langer Krieg sein, allein die SabotageAndreas Hemsing Ralph Tiesler Sabine Lackner © Marco Urban (8) 20 FOKUS dbb magazin | Januar/Februar 2026

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