dbb magazin 1-2/2026

DBB JAHRESTAGUNG 2026 tere ihr Leben nicht: „Was heißt das für uns? Die Antwort klingt widersprüchlich: Wer Stabilität will, darf nicht in alten Mustern verharren. Wir müssen uns als Staat moderner aufstellen. Dafür braucht es die Veränderungsbereitschaft, Dinge anzupacken. Das ist 2026 der Schlüssel zu allem.“ Deutschland könne viel mehr, als es sich zutraue. Der Digitalminister erläuterte seine Vorhaben: „Verwaltungsmodernisierung bedeutet konkrete Entlastungen für die Menschen. Sie bedeutet, Prozesse zu verschlanken und zu beschleunigen. Sie bedeutet Aufgabenkritik, Automatisierung und verantwortungsvollen Einsatz von KI.“ Fünf Prozesse seien dabei elementar: 1. Digitalisierung der Verwaltung: was in einzelnen Kommunen bereits funktioniert, in die Fläche bringen. 2. Dienstleistungen digital anbieten: Der Service wird für die Bürgerinnen und Bürger einfacher. 3. Automatisierung von Genehmigungsverfahren mittels KI: Aufwendige Verfahren können um bis zu 80 Prozent beschleunigt werden. 4. DeutschlandStack: ein gemeinsames Betriebssystem für Bund, Länder und Kommunen, das auch mit den europäischen Schnittstellen kompatibel ist. Dort werden auch die KI-Lösungen gehostet. 5. Digitale Brieftasche: Alle Bürgerinnen und Bürger haben wichtige Nachweise wie den Führerschein auf ihrem Handy. Viele Prozesse wie Altersverifikation funktionieren mit einem einzigen Klick. 2026 werde ein entscheidendes Jahr für die digitale Zukunft, prognostizierte Wildberger. Amerika sei in den vergangenen zehn Jahren wirtschaftlich komplett davongezogen. „Dort entstehen die Technologien, die die Welt antreiben. Wir nutzen diese Technologien, aber wir produzieren sie nicht. Wir kaufen Zukunft ein, statt sie selbst zu bauen“, unterstrich der Minister. Wer KI nicht selbst produziert, mache sich von anderen abhängig. Wildberger weiter: „Geschwindigkeit, Skalierung und Innovationskraft sind die neuen Währungen. Digitale Souveränität bedeutet Resilienz – keine Abschottung, sondern Handeln auf Augenhöhe. Ich möchte mit Ihnen gemeinsam daran arbeiten, ein modernes Land aufzubauen. Weniger warten, mehr handeln. Weniger Bürokratie, mehr Innovation. Sind wir bereit für Veränderung, dann sind wir bereit für die Zukunft“, schloss Wildberger seinen Impuls. Diskussion: neue Perspektiven für die Verwaltung Eine bessere Rechtssetzung, effizienterer Datenschutz, mehr künstliche Intelligenz: Diesen Punkten messen die Teilnehmenden der dbb Jahrestagung 2026 eine große Bedeutung zu. Dieses Ergebnis einer digitalen, nicht repräsentativen Umfrage setzte den Impuls für die anschließende Expertenrunde. „Das gefällt mir sehr gut“, kommentierte Digitalminister Karsten Wildberger die Umfrageergebnisse. Manche Verordnungen, mit denen sich Beschäftigte des öffentlichen Dienstes auseinandersetzen müssen, seien „der Wahnsinn“, unter anderem wegen zahlreicher Verweise, die niemand in ihrer Gesamtheit erfassen könne. „Hier kann künstliche Intelligenz Widersprüche aufdecken und für mehr Transparenz sorgen“, unterstrich der Minister. Klar gebe es auch Risiken, die Technologie könne sich verselbstständigen und halluzinieren. „Tatsache ist jedoch, dass die Technologie da ist. Wir dürfen nicht nur Kunde sein, wir müssen sie nutzen und sie nach unseren Werten mitgestalten.“ Deshalb sei es von zentraler Bedeutung, eigene technische Lösungen in Deutschland und Europa zu entwickeln: „Der Zug ist noch nicht abgefahren. Wir müssen uns anders organisieren, der Staat muss Kunde von deutschen und europäischen IT-Lösungen werden.“ „Die Menschen, die Gesetze anwenden, müssen stärker in den Gesetzgebungsprozess einbezogen werden“, sagte der Bundestagsabgeordnete Moritz Heuberger (Bündnis 90/Die Grünen), der über die Koordination der digitalen Verwaltung promoviert hat. Wie läuft es? Was hat sich bewährt? Wie muss der Prozess aussehen? „Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes kennen die Antworten am besten“, unterstrich Heuberger. „Erst wenn die Informationen vorliegen, sollten die Juristinnen und Juristen im Ministerium ihre Arbeit beginnen. Das spart im Endergebnis Zeit und ist im Sinne der Nutzerfreundlichkeit.“ Der Grünen-Politiker plädierte dafür, vorgeschriebene Wartezeiten für die Übernahme von Führungsaufgaben zu lockern. „Die aktuellen Regeln sind nicht mehr zeitgemäß. Wer die nötige Kompetenz und den Gestaltungswillen mitMoritz Heuberger Karsten Wildberger © Marco Urban (7) 16 FOKUS dbb magazin | Januar/Februar 2026

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