dbb magazin 6/2017 - page 8

„Initiative kulturelle Integration“:
Integrationsmultiplikator
Der öffentliche Dienst ist Multiplikator für Integration und gesellschaft-
liche Zusammenhalt in Deutschland. Das betonte der stellvertretende dbb
Bundesvorsitzende und Fachvorstand Beamtenpolitik, Hans-Ulrich Benra,
anlässlich der Präsentation des Papiers „15 Thesen für Zusammenhalt in
Vielfalt“ am 16. Mai 2017 in Berlin.
Verfasser des Thesenpapiers ist
die „Initiative kulturelle Inte­
gration“, die ihre Thesen im An­
schluss an die Präsentation an
Bundeskanzlerin Angela Merkel
überreichte. Mitglieder der Ini­
tiative sind neben dem dbb, der
Deutsche Kulturrat, die Beauf­
tragte der Bundesregierung für
Kultur und Medien, das Bundes­
ministerium des Innern, das
Bundesministerium für Arbeit
und Soziales und die Beauftrag­
te der Bundesregierung für Mi­
gration, Flüchtlinge und Integ­
ration sowie weitere Mitglieder
aus Zivilgesellschaft, Kirchen,
Religionsgemeinschaften, Me­
dien, Sozialpartnern, kommu­
nalen Spitzenverbänden und
Kultusministerkonferenz.
„Zur kulturellen Integration
gehört in einer pluralen Gesell­
schaft, dass alle gesellschaftli­
chen Bereiche adäquat politisch
repräsentiert sind und damit
auch Entwicklungen in einem
Land widerspiegeln“, sagte dbb
Vize Benra und forderte: „Die
gesellschaftliche Veränderung
sollte auch in der Beschäftig­
tenstruktur des öffentlichen
Dienstes abgebildet werden.
Denn der öffentliche Dienst hat
eine wichtige Funktion als Mul­
tiplikator für den gesellschaft­
lichen Zusammenhalt – die
Bürger vertrauen darauf, dass
durch den Rechtsstaat Rahmen­
bedingungen für Verlässlichkeit
von politischen und Verwal­
tungsentscheidungen geschaf­
fen werden“, so Benra, der die
Initiative als „einen wichtigen
Beitrag zur langfristigen Diskus­
sion um Integration und gesell­
schaftlichen Zusammenhalt“
bezeichnete. Um den Beschäf­
tigungsanteil von Personen
mit Migrationshintergrund im
Staatsdienst zu erhöhen, müss­
ten mehrere Faktoren berück­
sichtigt werden, erläuterte Ben­
ra: „Die potenziellen Bewerber
müssen sich für eine Karriere im
öffentlichen Dienst interessie­
ren, das geschieht vor allem
über Gespräche im persönli­
chen Umfeld, mit Eltern, Ver­
wandten, Bekannten – also
müssen wir auch bei diesen
Zielgruppen ansetzen. Der öf­
fentliche Dienst gehört in Mi­
grantenfamilien bisher leider
viel zu selten zu den möglichen
Berufsfeldern.“ Auch müssten
Hemmnisse bei der Einstellung
von Beschäftigten mit ausländi­
schen Wurzeln abgebaut und
die interkulturelle Kompetenz
in Verwaltungen und Behörden
insgesamt gestärkt werden,
forderte der dbb Vize: „Diskri­
minierungsfreie Auswahlver­
fahren und interkulturelle
Kenntnisse als feste Bestand­
teile von Aus- und Fortbildung
sollten Standard sein“, so Benra.
Die Mitglieder der Initiative kul­
turelle Integration wollen ange­
sichts aktueller Debatten mit
ihren 15 Thesen einen Beitrag
zu gesellschaftlichem Zusam­
menhalt und kultureller Inte­
gration leisten. In der Präambel
des Thesenpapiers „Zusam­
menhalt in Vielfalt“ bekräfti­
gen sie, dass Integration alle
Menschen in Deutschland be­
trifft, und rufen Einzelpersonen
ebenso wie Organisationen,
Vereine oder auch Unterneh­
men zur Mitunterzeichnung der
Thesen auf. Die Initiative steht
für eine weltoffene Gesell­
schaft. „Zuwanderung verän­
dert eine Gesellschaft und er­
fordert Offenheit, Respekt und
Toleranz auf allen Seiten. Dies
ist ein langwieriger Prozess, in
dem um Positionen gerungen
werden muss. Das Schüren von
Ängsten und Feindseligkeiten
ist nicht der richtige Weg“,
heißt es in dem Papier. Zugleich
wird deutlich gemacht, dass ge­
sellschaftlicher Zusammenhalt
weder verordnet werden kann,
noch allein eine Aufgabe der
Politik ist. Vielmehr können alle
hier lebenden Menschen dazu
beitragen. „Deutschland ist ein
vielfältiges Land. Seit Jahrhun­
derten leben hier Menschen
aus vielen unterschiedlichen
Ländern. Mit Solidarität haben
Gesellschaft und Politik auf die
Ankunft vieler Geflüchteter re­
agiert. Solidarität gehört zu den
Grundprinzipien unseres Zu­
sammenlebens. Sie zeigt sich
im Verständnis untereinander
und in der Aufmerksamkeit für
die Bedürfnisse anderer. Die
Mitglieder der Initiative kultu­
relle Integration treten für eine
solidarische Gesellschaft ein.“
Die Mitglieder der Initiative set­
zen insbesondere auf die Ver­
mittlungskraft der Kultur: „Kul­
tur trägt neben der sozialen
Integration und der Integration
in Arbeit wesentlich zum gesell­
schaftlichen Zusammenhalt
bei.“ Besonderes Augenmerk
wird auch auf Europa gelegt:
Gewollt ist ein einiges Europa.
„Der europäische Einigungspro­
zess ist nicht nur ein Garant für
Frieden in Europa und eine
wichtige Grundlage für Wohl­
stand und Beschäftigung, er
steht zugleich für kulturelle An­
näherung sowie für gemeinsa­
me europäische Werte.“
<<
Die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration wollen angesichts aktueller Debatten mit ihren 15 Thesen, die sie
am 16. Mai 2017 Bundeskanzlerin Angela Merkel übergaben, einen Beitrag zu gesellschaftlichem Zusammenhalt
und kultureller Integration leisten. Für den dbb hatte der stellvertretende Bundesvorsitzende und Fachvorstand Ta­
rifpolitik, Hans-Ulrich Benra (letzte Reihe, Dritter von rechts), an der Präsentation des Thesenpapiers teilgenommen.
© Bundesregierung/Kugler
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