dbb magazin 6/2017 - page 6

Gewalt gegen Beschäftigte:
Schützen mit mehr Engagement
Der Staat solle sich „unbedingt mehr einmischen
beim Thema Gewalt gegen seine Beschäftigten“,
fordert der dbb Bundesvorsitzende Klaus Dauder­
städt. „Wir sind besorgt über Entwicklungen, die
sich geradezu epidemisch auszubreiten drohen“,
sagte der dbb Chef mit Blick auf die Kriminalsta­
tistik beim Landesgewerkschaftstag des dbb sach­
sen-anhalt am 26. April 2017 in Wernigerode.
„Natürlich gibt es Aufgaben­
gebiete, in denen der Umgang
mit Kriminalität zum Job
selbst gehört: Polizei, Justiz,
Strafvollzug. Aber heute sind
auch Schule, Finanzamt, Kom­
mune, Eisenbahn, Straßenver­
kehrsdienst, Gerichtsvollzug,
Krankenkasse oder Job-Center
keine heile Welt mehr. Die
Übergänge von verbaler zu
physischer Gewalt sind flie­
ßend, Exzesse mit Todesfolge
machen uns das von Zeit zu
Zeit dramatisch bewusst“, so
Dauderstädt. „Wir wollen
nicht alle Verwaltungen zu
Festungen ausbauen, nicht
überall sind rote Alarmknöpfe
unter dem Schreibtisch hilf­
reich, und Kurse zur Deeskala­
tion machen zwar Sinn, lösen
aber nicht jeden Konflikt mit
dem unzufriedenen Bürger.
Aber wir erwarten, dass Vor­
fälle nicht länger auf Druck
von Vorgesetzten unter den
Teppich gekehrt, dass bessere
Schutzvorkehrungen bauli­
cher oder personeller Art ge­
troffen und auf jeden Fall die
Beschäftigten mit ihren Sor­
gen nicht alleinegelassen wer­
den“, machte Dauderstädt
deutlich. „Wenn jemand mor­
gens mit Angst zur Arbeit
geht, ist etwas nicht mehr in
Ordnung in diesem Land.“
Der dbb Bundesvorsitzende
kritisierte auch die seit Jahren
mangelhafte Personalaus­
stattung von Behörden und
Verwaltungen: „Man kann
vom öffentlichen Dienst viel
verlangen, man darf ihn aber
nicht überfordern.“ Aufgrund
von Stellenbesetzungssper­
ren, Nichtübernahme von fer­
tig Ausgebildeten und struk­
turellen Veränderungen seien
die Belegschaften „auf Kante
genäht“. Die zwangsläufig
folgende Überlastung führe
wiederum zu Ausfällen –
„Dienst- oder Arbeitsunfähig­
keit, Berufskrankheiten und
Frühpensionierungen erhö­
hen den Arbeitsdruck auf die
vorhandenen Kollegen.“ Der
Staatsdienst müsse dieses Di­
lemma vor dem Hintergrund
der demografischen Entwick­
lung mit der wachsenden
Knappheit an Arbeitskräften
schleunigst lösten, der öffent­
liche Dienst als Arbeitgeber
deutlich attraktiver werden.
Angezeigt seien passende
Personalbudgets und ange­
messene, dauerhaft verfüg­
bare Personalkontingente
sowie attraktive Einkom­
mensbedingungen. „Auch die
gesellschaftlich wertvollste
Aufgabe verliert an Attrakti­
vität, wenn die Bezahlung
nicht stimmt“, mahnte der
dbb Chef.
© FriedhelmWindmüller
<<
dbb Chef Klaus Dauderstädt kri­
tisierte auf dem Landesgewerk­
schaftstag des dbb sachsen-anhalt die seit Jahren mangel-
hafte Personalausstattung von
Behörden und Verwaltungen
und warnte vor einer Überfor­
derung der Beschäftigten.
<<
5. Zukunftskongress Staat & Verwaltung
Digitaler Aufbruch oder analoger Stillstand?
Auf dem 5. Zukunftskongress Staat & Verwaltung, der am 20. und 21. Juni
2017 in Berlin stattfindet, werden erneut Entscheider aus Bund, Ländern und
Kommunen mit Vertretern aus innovativen Unternehmen sowie aus der Wis­
senschaft neue Ideen und Handlungsempfehlungen für den modernen Staat
von morgen diskutieren. Unter den Referenten ist auch der stellvertretende
dbb Bundesvorsitzende und Fachvorstand Beamtenpolitik, Hans-Ulrich Benra.
Der Zukunftskongress steht unter dem
Motto: „Deutschland vor der Wahl:
Digitaler Aufbruch oder analoger Still­
stand?“ Eingerahmt von den Reden der
Bundesminister Dr. Thomas de Maizière
und Peter Altmaier diskutieren an die
200 Referenten aus Politik, Wissenschaft
und Wirtschaft zentrale Aspekte rund
um E-Government und Verwaltungs­
modernisierung.
Zu den Referenten gehören unter anderem
der CIO von Singapur, CHAN Choew Hoe, der
in seinem Vortrag über die „Smart Nation
Singapore“ berichtet, und Dr. Christoph
Krupp, Chef der Senatskanzlei der Freien
und Hansestadt Hamburg. Die Keynote beim
eGovernment-Wettbewerb hält der Staats­
minister bei der Bundeskanzlerin für Büro­
kratieabbau, bessere Rechtsetzung und die
Koordinierung der Bund-Länder-Beziehun­
gen, Prof. Dr. Helge Braun. In der Staatsse­
kretärsrunde werden vier Staatssekretäre
aktuelle Themen aus den vier Handlungsfel­
dern des Kongresses diskutieren: Jens Spahn
MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim
Bundesminister der Finanzen, Thorben Al­
brecht, Staatssekretär im Bundesministeri­
um für Arbeit und Soziales, Albert Füracker,
Staatssekretär im Bayrischen Staatsministe­
rium der Finanzen, für Landesentwicklung
und Heimat, sowie Sabine Smentek, Staats­
sekretärin für Informations- und Kommuni­
kationstechnik bei der Senatsverwaltung für
Inneres und Sport in Berlin.
Darüber hinaus werden Podiumsdiskussionen,
Zukunftsforen und -werkstätten angeboten.
Hans-Ulrich Benara, der stellvertretende dbb
Bundesvorsitzende und Fachvorstand Tarif­
politik, spricht in einem Zukunftsforum über
„Demografischen Wandel und digitale Revo­
lution – was bedeutet dies für die Tragfähig­
keit unserer Staatsfinanzen?“
Weitere Informationen:
nachrichten
6
dbb
>
dbb magazin | Juni 2017
1,2,3,4,5 7,8,9,10,11,12,13,14,15,16,...48
Powered by FlippingBook