dbb magazin 6/2017 - page 20

lich, so Ostwald. Betrachte
man die Zahlen, werde sehr
deutlich: Die Beihilfe als Teil
des PKV-Systems, und dieses
wiederum als Säule der Ge­
sundheitswirtschaft, seien
große Wirtschaftsfaktoren
für Deutschland.
<<
PKV-Verbandschef:
Systemwechsel hätte
schwere Finanzfolgen
Die Position der Privaten Kran­
kenversicherer machte Volker
Leienbach, Verbandsdirektor
Verband der Privaten Kranken­
versicherung e. V., klar. Er plä­
dierte, motiviert durch Fragen
aus dem Plenum, für die wei­
tere Koexistenz von Privater
Krankenversicherung (PKV)
und Gesetzlicher Krankenversi­
cherung (GKV) und gegen die
Einführung einer Bürgerversi­
cherung. „Wir haben das beste
System“, zeigte sich Leienbach
überzeugt, „mit europaweit
geringsten Wartezeiten, freier
Arztwahl und im Vergleich
niedrigen Zuzahlungen. Das ist
sowohl demWettbewerb der
Krankenkassen untereinander
zu verdanken als auch der gro­
ßen Bewegungsfreiheit, die der
PKV bei der Verbesserung von
Diagnostik und Therapie einge­
räumt wird.“ Von dieser Frei­
heit profitierten auch die Ver­
sicherten der GKV, weil meist
zeitnah die in der PKV genutz­
ten Standards in ihren Leis­
tungskatalog übertragen
würden. Als Beispiel führte
Leienbach die „aufsuchende
Pflege“ an, mit der die PKV die
Betreuung Pflegebedürftiger in
ihren Familien wesentlich ver­
bessert habe: „Die wird inzwi­
schen auch von den Gesetzli­
chen so wahrgenommen.“
Die Bürgerversicherung be­
zeichnete Leienbach als „rot-
rot-grünes Projekt, das jegli­
chen Beleg dafür schuldig
bleibt, dass mit seiner Reali­
sierung auch eine bessere Ge­
sundheitsversorgung erreicht
werden soll“. Auch warnte Lei­
enbach vor den finanziellen
Folgen, die ein Systemwechsel
auslösen würde: „Gesetzt den
Fall, alle in der PKV Versicher­
ten würden in die GKV über­
führt: Dann entsteht ein Ein­
nahmeverlust von rund 13
Milliarden Euro jährlich, von
dem 6 Milliarden zulasten der
niedergelassenen Ärzte gin­
gen.“ Das wären pro Arztpraxis
im Durchschnitt 49000 Euro –
Geld, das demMediziner fehle,
um seine Praxis, Diagnose- und
Behandlungsgeräte zu moder­
nisieren. Hinzu komme, dass
ein Wegfall der aus der PKV
fließenden Mittel eine Erhö­
hung des GKV-Beitrags um
mindestens ein Prozent zur Fol­
ge haben würde. Leienbach:
„Davon spricht freilich kein Be­
fürworter der Bürgerversiche­
rung.“ Der PKV-Verbandsdirek­
tor war Solist auf dem Podium,
weil die anderen Teilnehmer
der Diskussionsrunde zum The­
ma „Wettbewerb im Gesund­
heitssystem – Mehrwert für
alle“ – nämlich die SPD-Bun­
destagsabgeordnete Hilde
Mattheis, Obfrau und Spreche­
rin im Ausschuss für Gesund<<
Zuhörer im Plenum
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PKV-Verbandschef Volker Leienbach
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