dbb magazin 6/2017 - page 12

Arbeitswelt 4.0:
Arbeit 4.0 – Digitalisie­
rung und Automatisie­
rung wird die Zukunft
unserer Arbeitswelt
prägen. Es wird kaum
einen Bereich geben,
an dem die Digitalisie­
rung vorübergeht. Die
Auswirkungen auf die
Lebensrealität der
Beschäftigten wer-
den tief grei-
fend sein.
Arbeit 4.0 – die Ver­
sionsnummer symboli­
siert, dass es in der Vergan­
genheit bereits tief greifende
Veränderungen der Arbeits­
welt gab und wir nun in ein
neues Zeitalter eintreten: Von
der ersten Industriellen Revo­
lution mit der Einführung me­
chanischer Produktionsanla­
gen mithilfe von Wasser- und
Dampfkraft über die zweite
Industrielle Revolution mit ar­
beitsteiliger Massenprodukti­
on mithilfe von elektrischer
Energie, die dritte mit dem
Einsatz von Robotik und IT zur
weiteren Automatisierung bis
hin zur vierten Industriellen
Revolution, dem Einsatz von
cyber-physischen Systemen.
Der wesentliche Unterschied
zwischen Arbeit 3.0 und 4.0:
Maschinen, die den Menschen
bislang bei der Arbeit unter­
stützt haben, können und
werden ihn nun zunehmend
ersetzen. Das wirft unzählige
Fragen auf.
„Sitzt der Lkw-
Fahrer von heute auf sei­
ner Route morgen zwar nicht
am Steuer, aber als Pilot in sei­
nem Führerhaus und über­
wacht die elektronischen Ins­
trumente? Hat er übermorgen
seinen Platz in einem Logistik­
zentrum, von wo aus er mehre­
re selbstfahrende Lkw aus der
Ferne kontrolliert? Oder kann
er das vielleicht von zu Hause
aus erledigen? Hat er dabei
mehr Freizeit als früher, kann er
gesünder leben, seine Familie
häufiger sehen, sich die Arbeit
mit seiner Frau teilen? Hat er
noch einen Bezug zu seinem
Unternehmen? Kann er darin
mitwirken und mitbestimmen?
Hat er die Solidarität seiner
Kolleginnen und Kollegen?
Oder fühlt sich unser Fahrer
überflüssig und findet keine
Arbeit mehr? Hat er vielleicht
die Chance ergriffen, etwas
ganz Neues zu machen? Hat er
dabei die Unterstützung unse­
rer Institutionen gefunden?“
Im Vorwort
zum Grünbuch „Ar­
beiten 4.0“ erklärte Bundesar­
beitsministerin Andrea Nahles
im April 2015 anhand dieses
Beispiels, welche Fragestellun­
gen sich für die Zukunft der
Arbeitswelt ergeben. Gut ein­
einhalb Jahre diskutierten an­
schließend Gewerkschaften
und Arbeitgeberverbände, Un­
ternehmer, Wissenschaftler
und Bürger in verschiedenen
Formaten über die Arbeitswelt
von morgen – über Chancen
und Risiken. Die Ergebnisse
dieses Dialogs sind nieder­
geschrieben im „Weißbuch
Arbeiten 4.0“, das Nahles im
November 2016 vorlegte.
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Digitalisierung
als Treiber
Wichtigster „Treiber“ Richtung
Arbeit 4.0 ist demnach die Digi­
talisierung: Vom Papyrus über
die Wachstafel zumWord-Do­
kument, von Pferd und Wagen
über Eisenbahn und Automobil
bis zum selbstfahrenden Auto,
vom Rechenschieber über die
Lochkarte bis zum Grid-Com­
puting (virtuelle Superrechner,
bestehend aus mehreren Rech­
nergruppen, bewältigen um­
fangreiche Aufgabenstellun­
gen) – die Hürde von analoger
zu digitaler Technik ist längst
übersprungen: Der grundle­
gende Wandel vollzog sich be­
reits in den 1980er-Jahren. In
den 1990ern begann der Sie­
geszug des Internet, in den
2000er-Jahren die Ära der mo­
bilen Endgeräte. Derzeit wird
eine weitere Schwelle über­
schritten, an der die Digitalisie­
rung weite Teile des täglichen
Lebens, der Wertschöpfungs­
prozesse und des Arbeitens
vollkommen durchdringt: Das
Internet vernetzt nicht nur
kommunizierende Menschen,
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Die industriellen Revolutionen
Nummer 1.0 Dampfkraft und
Maschinen ...
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