dbb magazin 6/2017 - page 11

Lohngerechtigkeitsgesetz:
Mehr Transparenz
bei der Lohngestaltung
Der Bundesrat hat das Gesetz für mehr Lohngerech­
tigkeit zwischen Frauen und Männern am 12. Mai
2017 gebilligt. „Die enthaltenen Regelungen bleiben
hinter den Erwartungen der Beschäftigten zurück“,
kritisiert dbb Chef Klaus Dauderstädt.
Lohnunterschiede zwischen den
Geschlechtern seien seit Jahren
in der freien Wirtschaft und im
öffentlichen Dienst Fakt. Der­
zeit bestehe in Deutschland ein
unbereinigter geschlechterspe­
zifischer Lohnunterschied, der
sogenannte „Gender Pay Gap“,
von über 21 Prozent. „Im euro­
päischen Vergleich nimmt
Deutschland damit aktuell
einen der hinteren Plätze ein,
wobei der erklärbare Teil dieser
Lohnlücke hierzulande im Ver­
gleich zum unerklärbaren Teil
besonders hoch ausfällt. Im öf­
fentlichen Dienst beträgt der
geschlechterbedingte Lohnun­
terschied trotz der Geltung von
Tarifverträgen und Besoldungs­
tabellen immerhin noch acht
Prozent“, so Dauderstädt.
Mit dem vorliegenden Gesetz
soll dem geschlechterspezifi­
schen Lohnunterschied durch
mehr Transparenz bei der
Lohngestaltung und der Ein­
führung eines individuellen
Auskunftsanspruches entge­
gengetreten werden. Unter an­
derem durch die Einführung
eines individuellen Auskunfts­
anspruches für Beschäftigte in
Betrieben mit mehr als 200 Be­
schäftigten bezüglich der Be­
zahlungskriterien, betriebliche
Verfahren zur Überprüfung
und Herstellung von Entgelt­
gleichheit sowie die Einfüh­
rung einer Berichtspflicht zur
Gleichstellung und Entgelt­
gleichheit von Frauen und
Männern für Betriebe ab 500
Beschäftigten.
„Eine umfassende Transparenz
in Entgeltfragen mit dem Ziel
der Eindämmung der unmittel­
baren Diskriminierung der Frau­
en beim Entgelt wird mit dem
Gesetz nicht erreicht. Es spart
erhebliche Bereiche aus, in de­
nen Lohndiskriminierung statt­
findet“, beanstandet Dauder­
städt. „Der vorgesehene
individuelle Auskunftsanspruch
soll zum Beispiel erst bei einer
Beschäftigtenzahl von 200 ge­
währt werden. Viele Frauen ar­
beiten aber gerade in Betrieben
und Unternehmen, in denen
diese Grenze nicht erreicht wird
– dort wird Lohndiskriminie­
rung ungestört weiter stattfin­
den können.“ Auch die im Ge­
setz festgelegte Aufforderung
an Arbeitgeber mit mehr als
500 Beschäftigten, betriebliche
Verfahren zur Überprüfung und
Herstellung von Entgeltgleich­
heit durchzuführen, greife zu
kurz: „Hier ist eine Verpflich­
tung der Arbeitgeber erforder­
lich, um den Interessen der Be­
legschaften gerecht zu werden.
Mit dem Gesetz können sich die
Beschäftigten nicht zufrieden­
geben. dbb und dbb bundes­
frauenvertretung werden in
dieser Thematik auf jeden Fall
nachfassen“, so der dbb Chef.
© Greg Brave / Fotolia
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