Gründung und Etablierung

1918

Am 4. Dezember, unmittelbar nach dem Aufruf des Rates der Volksbeauftragten an das deutsche Volk vom 12. November, der erstmalig auch den Beamten das uneingeschränkte Koalitionsrecht zugesteht, wird in Berlin der Deutsche Beamtenbund (DBB) als "Zusammenschluss der deutschen Beamten- und Lehrervereinigungen auf gewerkschaftlicher Grundlage" gegründet. Zum Bundesvorsitzenden wird Ernst Remmers (1868-1937), der Vorkämpfer der Einigungsbewegung der deutschen Beamtenverbände, gewählt.

1919

Unter maßgeblicher Beteiligung des DBB beginnt am 22. März mit der Gründung einer Verwaltungsakademie in Berlin der Aufbau eines ganz Deutschland erfassenden Netzes von Einrichtungen für die Beamtenfortbildung.

 

Auf dem 1. Vertretertag des DBB vom 11. bis 13. Mai gibt Remmers wegen seiner politischen Verpflichtungen als Mitglied der Nationalversammlung (Deutsche Demokratische Partei) das Amt des Bundesvorsitzenden an Max Lange (1878-1957), den Vorsitzenden des Eisenbahnbeamtenbundes, ab.

1920

Ein außerordentlicher Vertretertag vom 26. bis 28. Mai, der eine verbandsinterne Krise, entstanden aus einem parteipolitisch umstrittenen Verhalten der DBB-Leitung nach der Niederschlagung des Kapp-Lüttwitz-Putsches (13. bis 17. März), zu schlichten hat, wählt Wilhelm Flügel (1878-1934) zum Bundesvorsitzenden des DBB.

 

Der vom 25. bis 27. Oktober in Berlin stattfindende 2. Deutsche Beamtentag verabschiedet die endgültige Satzung und die Organisationsrichtlinien des DBB, der zu diesem Zeitpunkt in rund 50 Mitgliedsverbänden 1 066 000 zahlende Mitglieder organisiert.

1922

Der 3. Bundestag des DBB (6. bis 8. April) wird, wie alle folgenden Bundestage, in Berlin abgehalten und setzt sich mit den Ursachen und Folgen des von der Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahnbeamten und -anwärter am 2. Februar 1922 ausgerufenen Eisenbahnerstreiks auseinander, der aufgrund einer auf Art. 46 der Weimarer Reichsverfassung gestützten, von Reichspräsident Ebert am 1. Februar ausgefertigten Notverordnung mit Strafe bedroht war und nach acht Tagen erfolglos abgebrochen werden musste. Bei einer großen Debatte über das Streikrecht scheiden sich die Anhänger von den Gegnern des Beamtenstreiks.

 

Ein Teil der Reichsgewerkschaft spaltet sich vom DBB ab und gründet am 18. Juni 1922 in Leipzig den freigewerkschaftlichen Allgemeinen Deutschen Beamtenbund (ADB) der anfangs Zuzug auch von anderen Mitgliedsverbänden des DBB erhält und 1923 über einen Mitgliederbestand von 380 000 verfügt, in den Jahren 1924 bis 1933 aber nie mehr als höchstens 200 000 Mitglieder zählt (Anfang 1928: 166 610), wohingegen während desselben Zeitraums im DBB rund eine Million Mitglieder organisiert sind (Anfang 1928: 1 083 021).

1924

Der 4. Bundestag des DBB (9. bis 11. Oktober) beschließt das Programm des DBB.

1926

In Zusammenarbeit mit den Behörden des Reichs, der Länder und der Gemeinden sowie mit Verbänden der Wirtschaft gründet der DBB am 4. Mai das Deutsche Institut für wirtschaftliche Arbeit in der öffentlichen Verwaltung (Diwiv) mit. Publikationsorgan für dessen Mitteilungen ist ebenso wie für die Mitteilungen des am 18. Juni 1921 gebildeten Reichsverbandes deutscher Verwaltungsakademien die vom DBB verlegte Monatszeitschrift "Beamten-Jahrbuch".

 

Auf dem 5. Bundestag des DBB (7. bis 9. Oktober) wird der Zusammenschluss des DBB mit dem Gesamtverband Deutscher Beamtengewerkschaften (GDB), der Beamtensäule des damaligen (christlichen) Deutschen Gewerkschaftsbundes, vollzogen. Der DBB erfasst danach rund zwei Drittel der in Beamtenverbänden organisierten Personen.

1928

Der vom 24. bis 28. Oktober 1928 stattfindende 6. Bundestag des DBB beschließt über eine Satzungs- und Organisationsreform.

1930

Der 7. Bundestag des DBB (22. bis 24. Oktober) steht bereits unter dem Eindruck der sich verschlimmernden Wirtschaftskrise (Gehaltskürzungen drohen) und des die demokratische Staatsverfassung gefährdenden Radikalismus von rechts und links. Er wendet sich gegen unberechtigte Eingriffe in die rechtliche, wirtschaftliche und soziale Stellung der Beamten und fordert die Verkürzung der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von 51 auf 48 Stunden auch für die Reichsbeamten.

1932

Auf dem am 27./28. Oktober abgehaltenen 8. und zugleich letzten Bundestag des alten DBB wendet sich der Bundesvorsitzende Wilhelm Flügel gegen die Notverordnungspolitik der Reichsregierung. Er stellt unter Missfallenskundgebungen der Delegierten fest, dass seit 1922 zum ersten Mal die Reichsregierung (Reichskanzler von Papen) nicht auf dem Bundestag des DBB vertreten sei. Dieser lehnt von rechtsradikalen Gruppen ausgehende Anträge, der Bundesleitung des DBB das Vertrauen zu entziehen, mit überwältigender Mehrheit ab und bekundet mit der Wiederwahl Flügels (bei insgesamt 329 abgegebenen Stimmen mit 272 gegen 57 Stimmen), dass er rechtsradikalen Strömungen nicht nachzugeben gewillt ist.

1933

Am 24. März legt Wilhelm Flügel den DBB-Vorsitz nieder, nachdem ihm zum Vorwurf gemacht worden war, er habe "die Beziehungen zu den Parteien der nationalen Konzentration ungenügend gepflegt". Der DBB wird von der NSDAP "gleichgeschaltet": Das bisherige parlamentarisch-demokratische Organisationsprinzip, bei dem die wichtigsten Entscheidungen dem Bundestag des DBB vorbehalten waren, wird beseitigt, die gewerkschaftliche Interessenvertretung verboten. An die Spitze des Organisationsgerüsts des DBB tritt der Leiter des Hauptamtes für Beamte in der Reichsleitung der NSDAP, Jacob Sprenger. Er vereinigt alle Befugnisse der Führung innerhalb des DBB in seiner Hand. An die Stelle der Interessenvertretung tritt als Verbandszweck die "Mitarbeit am Neubau des Reiches". Nach den Richtlinien für die Neuordnung, Neuwahlen und Gleichschaltung der dem DBB angeschlossenen Verbandes usw. vom 27. April wird der DBB als Verband von Verbänden umgebildet in einen auf Einzelmitgliedschaft beruhenden Einheitsverband; die früheren Mitgliedsverbände werden Fachgruppen ohne Finanzhoheit. Am 15. Oktober ordnet Hitler die Benennung der Organisation in "Reichsbund der Deutschen Beamten (RDB)" an.

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