Geschlechterbedingte Verdienstunterschiede abschaffen!

In der Privatwirtschaft belaufen sich die Unterschiede im Bezahlungsniveau auf 23 Prozentpunkte. Deutschland liegt im europaweiten Vergleich rund fünf Prozentpunkte unter dem Schnitt.

 

Doch Entgeltungleichheit ist kein originäres Problem der freien Wirtschaft. Auch im öffentlichen Dienst scheren die Löhne deutlich auseinander: Wie aus einer Studie des Statistischen Bundesamts im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von September 2009 hervor geht, erhalten weibliche Tarifbeschäftigte und Beamtinnen etwa acht Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Als einen Grund für den deutlich geringeren Entgeltunterschied zwischen Männern und Frauen im öffentlichen Dienst nannten die Vertreter des Statistischen Bundesamtes die rechtlich geregelten Besoldungs- und Tarifstrukturen. Dennoch ist eine differenzierte Betrachtung angebracht. Aufgrund der Beschäftigtenstruktur und der unterschiedlichen Datenlage, kann die Studie zwar Anhaltspunkte liefern, aber keine genauen Aussagen ermöglichen.

 

Zudem stellten die Statistiker heraus, dass in den Leistungsgruppen 1 und 2 des öffentlichen Bereiches mehr Frauen arbeiten als etwa in den vergleichbaren Leistungsgruppen der freien Wirtschaft. Führungsposten hingegen sind in der Privatwirtschaft wie im öffentlichen Dienst weiterhin überwiegend männlich

besetzt.

 

Dadurch, dass sich Mädchen vor allem für weniger gut bezahlte, „weibliche“ Berufsfelder entscheiden, fallen sie in den Verdienstmöglichkeiten weit hinter die in z.B. technischen Bereichen Tätigen zurück. Die „typischen“ Frauenberufe müssen innerhalb der Gesellschaft ein höheres Ansehen erfahren. Diese Anerkennung muss sich schließlich auch in einer adäquaten Bezahlung und in Aufstiegsmöglichkeiten niederschlagen.

 

Angesichts des derzeitigen Diskussionsstandes zu geschlechterbedingten Verdienstunterschieden im öffentlichen Dienst fordert die dbb bundesfrauenvertretung:

     

  • eine kritische Diskussion der bisher veröffentlichten Zahlen,
  • eine weitere rechnerische Aufschlüsselung der bisher veröffentlichten Ergebnisse sowie weiterreichende Analysen der Ursachen,
  • ein aktives Eintreten von Politik für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern bei der Gehaltszahlung,
  • konkrete Maßnahmen, um Mädchen gezielt bei der Berufswahl zu begleiten,
  • die Einbindung von Politik und Tarifvertragsparteien in diese Thematik,
  • einen gesellschaftspolitischen Diskussionsprozess über die Wertigkeit typischer Frauenberufe und infolge eine Aufwertung dieser Tätigkeiten durch eine tarifliche Neubewertung,
  • gendergerechte Beurteilungskriterien bei der Beförderung im öffentlichen Dienst
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