Ehrenamt für Frauen attraktiv gestalten!

Die Bereitschaft der Bürger zum freiwilligen Engagement ist ein entscheidender Faktor unseres Gemeinwesens. Viele Tätigkeiten und Hilfeleistungen für andere Personen in sozialen und politischen Bereichen wie etwa Jugendarbeit oder Gewerkschaftsarbeit basieren auf dem Ehrenamt. Rund 20 Millionen Bundesbürger engagieren sich jährlich freiwillig in Verbänden, Initiativen, Projekten oder Vereinen. Damit ist knapp ein Drittel der Bevölkerung ehrenamtlich tätig.

 

Untersuchungen ergaben jedoch auch, dass das ehrenamtliche Engagement in direktem Zusammenhang mit der Arbeitszeit steht und sich zwischen den Geschlechtern unterschiedlich verteilt. Wie stark sich Frauen engagieren hängt entscheidend von ihrer Wochenarbeitszeit ab: Je höher die Arbeitszeit der Frauen ausfällt, desto niedriger ist deren ehrenamtliches Engagement. Bei Männern hingegen steigt die Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit proportional zur Arbeitszeit. Auf den ersten Blick scheint dieser Sachverhalt paradox. Bezieht man jedoch den Aufwand an unbezahlter Hausarbeit, der von Männern und Frauen geleistet wird, mit in die Betrachtung ein, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Nach Angaben des BMFSJ wenden Frauen im Schnitt ein Drittel mehr Zeit für unbezahlte Hausarbeiten auf als Männer. 2003 verbrachten Frauen 31 Stunden pro Woche, Männer dagegen nur 19,5 Stunden wöchentlich mit Putzen, Kochen oder etwa Einkaufen. Dass Frauen mehr im Haushalt tun, ist sowohl im Teilzeitbereich wie auch bei vollzeitbeschäftigten Paaren zu beobachten.

 

Auch politisches Engagement ist stark abhängig vom Einsatz freiwilliger Arbeit. Insbesondere im gesellschaftlichen und politischen Meinungsbildungsprozess kommt Gewerkschaften dabei eine wichtige Funktion zu. Denn politisches Engagement findet vorwiegend in Vereinen, Verbände, Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und Stiftungen statt. Städtische und kommunale Einrichtungen spielen hier eine nachgeordnete Rolle. Angesichts der Entwicklungen innerhalb der Gewerkschaften – diese haben zwischen 1991 und 2007 fast die Hälfte ihrer Mitglieder eingebüßt – müssen nach Ansicht der dbb bundesfrauenvertretung verstärkt Frauen für die gewerkschaftliche Arbeit gewonnen werden. Denn die altersbedingten Abgänge können nicht allein durch die Zugänge junger Mitglieder aufgefangen werden.

 

Die dbb bundesfrauenvertretung setzt sich dafür ein, Gewerkschaftsarbeit für Frauen attraktiver zu gestalten, um mehr weibliche Mitglieder zu werben und an die Gewerkschaft zu binden. Dazu gehört eine stärkere Einbindung weiblicher Interessen in die politische Agenda des dbb, aber auch eine familienfreundliche Zeitgestaltung der täglichen gewerkschaftlichen Arbeit.

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