03. März 2016

Scheele: Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt braucht langen Atem

Der Vorstand Arbeitsmarkt der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, hat sich optimistisch zur Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt geäußert. „Die Flüchtlinge treffen auf einen Arbeitsmarkt in guter Verfassung“, sagte Scheele dem „dbb magazin“ (Ausgabe März 2016). „31 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, 43 Millionen Erwerbstätige, mittelfristig stabile Wachstumsprognosen bei gleichzeitigem demografischem Wandel: Der Arbeitsmarkt kann den Zustrom an Flüchtlingen unter quantitativen Gesichtspunkten verkraften“, so Scheeles Einschätzung. 350.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter pro Jahr - das sei eine zu bewältigende Größenordnung.

Die fehlende formale Qualifikation eines Flüchtlings sage zunächst gar nichts über die mittelfristigen tatsächlichen Eingliederungschancen, sagte der BA-Vorstand. „Es kommen junge Menschen. Soweit wir wissen, sind sie gut motiviert, und sie haben zwar berufliche, jedoch eben nicht anerkannte berufliche Vorerfahrungen. Auf die vorhandene Motivation und den Ehrgeiz der Menschen sollten wir bauen“, empfahl Scheele. „Ihre Hoffnungen ruhen auch auf unserer Organisation.“

 

Zugleich mahnte der BA-Vorstand, bei den Erwartungen, wann eine Integration in den Arbeitsmarkt gelingt, realistisch zu bleiben: „Derzeit gehen wir davon aus, dass im ersten Jahr nach der Einreise zehn Prozent eine Arbeit haben, nach rund fünf Jahren die Hälfte und nach 15 Jahren 70 Prozent.“ Um gegen sinkende Bildungs- und Beschäftigungschancen für Migranten und einen sich vergrößernden Lohnabstand gegenüber Deutschen vorzugehen, müsse die Gesellschaft Anreize für Aus- und Weiterbildung schaffen, damit der Zugang zu qualifizierten Arbeitsplätzen erleichtert wird.

 

Scheele äußerte sich auch zu personalpolitischen Konsequenzen im Bereich der BA. „Wir rechnen damit, dass die zusätzlichen Belastungen durch Asylbewerber ab Mitte des zweiten Quartals besonders in den Jobcentern spürbar werden. Zum Ende des ersten Quartals haben wir 2.800 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Bord, 800 befristet und 2.000 festangestellt.“ Mitte des zweiten Quartals sei man mit der Fortbildung der Neuen fertig und dann „für die anstehenden Aufgaben gut aufgestellt“, zeigte sich der BA-Vorstand überzeugt.