15. Januar 2016

Zu wenige Frauen in Führungspositionen

Astrid Hollmann

„Es gibt auch im öffentlichen Dienst noch zu wenige Frauen in hohen Führungspositionen, wenn man bedenkt, was jetzt gesetzlich von der Wirtschaft verlangt wird“, hat die stellvertretende dbb Bundesvorsitzende Astrid Hollmann gegenüber dem Magazin „Stern“ (stern.de vom 15. Januar 2016).

Seit Anfang März 2015 sind börsennotierte Unternehmen verpflichtet, 30 Prozent ihrer Aufsichtsratsposten mit Frauen zu besetzen. Das Bundesgleichstellungsgesetz verpflichtet seit Mai 2015 auch Bundesbehörden, Ziele zur Erhöhung des Frauenanteils festzulegen. Im Sommer soll zum ersten Mal ein Gleichstellungsindex für Bundesministerien und andere oberste Bundesbehörden erscheinen. Aus einer dem „Stern“ vorliegenden Kleinen Anfrage von Cornelia Möhring, frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Linken, geht nun hervor, dass unter den 28 beamteten Staatssekretären der Bundesministerien nur fünf Frauen sind. Das entspricht einem Anteil von weniger als 18 Prozent. Eine Ebene darunter – bei den Abteilungsleitern – liegt der Frauenanteil bei 23 Prozent. Damit unterschreitet die Regierung die Vorgaben, die sie für große Unternehmen festgelegt hat. Nur fünf von 16 Bundesministerien hatten Stand 30. Dezember 2014 auf Abteilungsleiterebene einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent: das Familien-, Justiz-, Entwicklungs-, Umwelt- und Gesundheitsministerium. Neuere Zahlen konnte die Bundesregierung der Linken-Abgeordneten nicht nennen. Ein anderes Bild geben laut „Stern“ die Verwaltungen des Deutschen Bundestags und des Bundesrats ab: Beide Institutionen haben jeweils zur Hälfte Frauen und Männer als Abteilungschefs.

 

dbb-Vize Astrid Hollmann erklärt die Ungleichheit damit, dass Frauen, die wegen der Familie in Teilzeit wechseln, mit ihrer Karriere oft nicht mehr vorankämen. „Außerdem sind Männer bei Bewerbungen für Stellen oft selbstsicherer. Frauen sind generell selbstkritischer und stellen ihre Qualifikation für hohe Positionen eher infrage“, so Hollmann im Gespräch mit dem „Stern“.