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dbb magazin | September 2011
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Deutsches Rundfunkarchiv:
Schließung verhindert
„Die Sorgen um das
‚mediale Gedächtnis‘
sind unbegründet.“
Mit dieser Kernbotschaft
haben sich die Intendan-
tinnen und Intendanten
der ARD auf einer Pres-
sekonferenz am 28. Juni
2011 in Würzburg zu
der Zukunft des Deut-
schen Rundfunkarchivs
(DRA) geäußert und an-
geblichen Schließungs-
plänen eine klare Ab-
sage erteilt.
Zur Thematik: In den vergan-
genen Monaten wurde in meh-
reren Presseartikeln über dras-
tische Sparmaßnahmen in den
Gemeinschaftseinrichtungen
der ARD in Höhe von 15 Pro-
zent des Gesamtetats berich-
tet. Davon betroffen sollte in
erster Linie das Deutsche
Rundfunkarchiv (DRA) sein.
Von Schließungsgerüchten bis
zu angeblichen Leistungsein-
schränkungen war dort die Re-
de. Auf einer Pressekonferenz,
die am 28. Juni 2011 in Würz-
burg stattfand, hat die ARD
nun dem vermittelten „fal-
schen Eindruck“ der Medien-
berichte widersprochen. Es
bestehe nicht die Absicht, die
Dienstleistungen des Archivs
gegenüber Zuschauern und
Hörern, Wissenschaft und For-
schung, Bildungsinstitutionen
oder gegenüber den öffentlich-
rechtlichen Rundfunkanstalten
massiv einzuschränken.
Das Deutsche Rundfunkarchiv
wurde 1952 als „Lautarchiv
des deutschen Rundfunks“ als
erste Gemeinschaftseinrich-
tung der ARD in Frankfurt am
Main gegründet. Seit fast
sechs Jahrzehnten kümmert
sich die gemeinnützige Stif-
tung um die Sammlung und
Archivierung historischer Ton-
aufnahmen und -träger. Zu-
sätzlich befasst sich das DRA
mit dem Aufbau ARD-übergrei-
fender Nachweissysteme für
archivierte Tondokumente und
die Vereinheitlichung der Kata-
logisierungsverfahren. Anfang
der 60er-Jahre bekam das Ar-
chiv seinen heutigen Namen,
da seitdem auch die Dokumen-
tation von Fernsehsendungen
zu seinem Aufgabenspektrum
hinzu kam. Nach dem Fall der
Mauer erfolgte 1994 die An-
gliederung der Rundfunkarchi-
ve des Hörfunks und Fernse-
hens der DDR. Für diese Tätig-
keit bezog das DRA im Jahr
2000 einen zweiten Standort
in Potsdam-Babelsberg.
Aufgabe und Zweck der Stif-
tung sind die Erfassung von
Ton- und Bildträgern aller Art,
deren geschichtlicher, künst-
lerischer oder wissenschaft-
licher Wert für Zwecke der
Kunst, Wissenschaft, For-
schung, Erziehung oder des
Unterrichts wichtig sind. In
den Archivregalen des DRA la-
gern weitreichende Bestände
von Ton- und Bilddokumenten,
Schriftgut, gedruckten Medien
und Sachzeugen jeder Art. Alle
Rundfunk- und Fernsehpro-
duktionen, die seither von den
öffentlich-rechtlichen Anstal-
ten ausgestrahlt wurden, sind
im Deutschen Rundfunkarchiv
archiviert und katalogisiert.
Neben historischen Tonträgern
wie Vinylplatten oder Schall-
folien liegen die Sammlungs-
schwerpunkte auf Aufnahmen
aus der Zeitgeschichte und
gedruckten Publikationen zur
Programmgeschichte der ARD
sowie der Hörfunk- und Fern-
sehüberlieferung der DDR.
Zum Tätigkeitsspektrum der
DRA-Mitarbeiter gehört neben
der Pflege und der Erhaltung
auch der Auf- und Ausbau des
Bestandes. Des Weiteren wird
das Archivmaterial erschlossen
und dokumentiert, um es der
internen und externen Nut-
zung zur Verfügung zu stellen.
Auf die Arbeit des DRA können
die öffentlich-rechtlichen An-
stalten, Vertreter aus Wissen-
schaft, Erziehung und Kultur,
aber auch private Interessen-
ten zugreifen. Das Deutsche
Rundfunkarchiv leistet damit
einen wichtigen Beitrag zur
Sicherung des kulturellen
und audio-visuellen Erbes
in Deutschland.
Laut ARD stellt die aktuelle Di-
gitalisierung des Archivmateri-
als, welche zur physischen und
inhaltlichen Sicherung der Hör-
funk- und Fernsehbeiträge er-
forderlich sei, eine finanzielle
und technische Herausforde-
rung dar. Die ARD-Vorsitzende
Monika Piel stellte klar, dass
alle ARD-Anstalten vor diesen
Herausforderungen stünden
und man prüfe, „wie durch
Synergien ihr Leistungsniveau
mit weniger finanziellem Auf-
wand“ künftig gehalten wer-
den könne. Von dieser Evaluie-
rung bleibt das Rundfunkarchiv
nicht ausgeschlossen. Jedoch
betonte Piel, dass diese Prü-
fung nicht auf eine Abschaf-
fung des DRA abzielt, sondern
darauf, „die Leistungen dieser
Einrichtung zu optimieren“.
Nach Angaben der ARD ist die
Prüfungsgruppe des Senders
seit Ende Juni noch nicht wie-
der zusammengetreten. Über
mögliche Mitarbeiterentlas-
sungen oder eine Standort-
schließung in Frankfurt bezie-
hungsweise Potsdam ist ak-
tuell nichts Genaues bekannt.
Derzeit sind beim Deutschen
Rundfunkarchiv etwa 100 Mit-
arbeiter tätig. Zudem bietet
das DRA Ausbildungsstellen
und Praktika aller Art an.
Mit ihren Aussagen auf der
Pressekonferenz Ende Juni ha-
ben die ARD-Intendantinnen
und -Intendanten die schlimms-
ten Befürchtungen um die
Zukunft des Deutschen Rund-
funkarchivs zwar relativiert,
dennoch bleiben mögliche
finanzielle und personelle
Einsparungen im Zuge der
„Optimierung“ des DRA ab-
zuwarten.
Jonah Aettner